Der Zettel
Mit jeder Entscheidung, die wir treffen, mit jeder Handlung, die wir vollziehen, ist eine Wertung verbunden. Indem wir etwas Bestimmtes vorziehen, anderes hintansetzen, geben wir zu erkennen, was wir schätzen und was wir als wertlos erachten. Selbst dort, wo uns widrige Umstände nur die Wahl zwischen zwei Übeln lassen, erweist sich *das kleinere Übel als der größere Wert. *Der Wert einer Sache steht somit nicht schon an sich und ein für allemal fest, sondern bemisst sich nach dem Bedürfnis und der Situation. Im Normalfall würde niemand ein Königreich für ein Pferd bieten, es sei denn, es steht wie im Fall Richard III. ein als höher erachteter Wert auf dem Spiel, der Wert des eigenen Lebens, für dessen Erhalt aller Besitz aufgeopfert wird. Weniger dramatische Beispiele kennen wir aus der Alltagspraxis, in der wir *um ideeller Werte willen auf materielle Werte zu verzichten *bereit sind, uns aber auch oft den Vorwurf gefallen lassen müssen, wir übten um materieller Vorteile willen Verrat an höherrangigen Werten.
Hat für uns etwas Wert, weil wir es schätzen, oder schätzen wir es, weil es einen Wert hat? Etwas hat Wert, weil wir es schätzen. Es gibt keinen a priori feststehenden, von unseren Bedürfnissen und Interessen unabhängigen Wert.

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