Informationen
Erstellt von: eva am 11. März 2006, 14:54 Uhr.
Bearbeiten darf: Jeder Pro-Benutzer.
Wie lernen? Regelmäßig wiederholen.
Bewertung: 
Autor: Epikur
ISBN: 3402022621
Erschienen: 2004-10
Ausgabe: Broschiert
Verlag: Aschendorff, Münster
Seiten: 177
Preis: Ab EUR 6,70 bei Amazon (am 19. Februar 2007, 04:26 Uhr)
Abschnitt:
S. 1 - S. 10 (9 Seiten):
alles andere ist Mist
Rezensionen
"durch Angst gebildet" (Kierkegaard)
Lesen
Angst ist heute zur Ware geworden", schrieb Günther Anders, und je mehr man sie benennt, kann man ergänzen, desto mehr nimmt man ihr den Schrecken. Der Zusatz, Aus Angst sprechen nur sehr wenige", gilt ebenso für Epikur, der angstfrei sich mit seiner Philosophie in Anlehnung an die Atomisten und Vor-Sokratiker Leukipp und Demokrit einen über sein Leben hinausgehenden Ruhm erarbeitet hat. Seine Überwindung der Angst besteht aus der Erkenntnis der Notwendigkeit, Lust zu haben, das Leben so zu genießen, dass es nicht ausschweifend, sondern zur Stärkung von Geist und Seele genutzt wird. Seine Kritik an die Götter ist nicht Ablehnung, sondern Hinweis auf einen furchtlosen Umgang im Diesseits, da er das Leben nach dem Tod als nicht nachweisbar sieht. Epikurs Bezug zu dem furchtlosen Leben im Diesseits findet man bei Camus wieder.
Wenn sich tatsächlich durch Freisein für die Freiheit" wie Heidegger behauptet, Angst bildet, so hat auch Epikur den Punkt gesehen und empfiehlt nach Auflösung der Gemeinschaft in der Polis, Freundschaften als Weg neuer Bindung. Ziel ist es, Freundschaften als Basis von lustvoller Zufriedenheit und Gelassenheit zu betreiben, immer mit dem Ziel, angstfrei Religion und Tod zu begegnen (vgl. S.19). Dieses zu erreichen, setzt eine unbedingte innere Ruhe" (Meeresstille) voraus.
Angst als Folge einer Orientierungslosigkeit - damals nach Wegfall der Polis oder gar nach der Auflösung des römischen Reiches - hat einen hohen aktuellen Bezug. In diesem Zuge nahm das Christentum trotz Epikur an Bedeutung zu und bot Hilfe, wie in Joh 16,33: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost ich habe die Welt überwunden." Dieses hätte die Botschaft Epikurs sein können, der mit seiner Philosophie den Mut und die Eigenständigkeit in die Gesinnung der Menschen brachte, die wir heute ebenso gern sehen würden.
"durch Angst gebildet"
Lesen
Angst ist heute zur Ware geworden", schrieb Günther Anders, und je mehr man sie benennt, kann man ergänzen, desto mehr nimmt man ihr den Schrecken. Der Zusatz, Aus Angst sprechen nur sehr wenige", gilt ebenso für Epikur, der angstfrei sich mit seiner Philosophie in Anlehnung an die Atomisten und Vor-Sokratiker Leukipp und Demokrit einen über sein Leben hinausgehenden Ruhm erarbeitet hat. Seine Überwindung der Angst besteht aus der Erkenntnis der Notwendigkeit, Lust zu haben, das Leben so zu genießen, dass es nicht ausschweifend, sondern zur Stärkung von Geist und Seele genutzt wird. Seine Kritik an die Götter ist nicht Ablehnung, sondern Hinweis auf einen furchtlosen Umgang im Diesseits, da er das Leben nach dem Tod als nicht nachweisbar sieht. Epikurs Bezug zu dem furchtlosen Leben im Diesseits findet man bei Camus wieder.
Wenn sich tatsächlich durch Freisein für die Freiheit" wie Heidegger behauptet, Angst bildet, so hat auch Epikur den Punkt gesehen und empfiehlt nach Auflösung der Gemeinschaft in der Polis, Freundschaften als Weg neuer Bindung. Ziel ist es, Freundschaften als Basis von lustvoller Zufriedenheit und Gelassenheit zu betreiben, immer mit dem Ziel, angstfrei Religion und Tod zu begegnen (vgl. S.19). Dieses zu erreichen, setzt eine unbedingte innere Ruhe" (Meeresstille) voraus.
Angst als Folge einer Orientierungslosigkeit - damals nach Wegfall der Polis oder gar nach der Auflösung des römischen Reiches - hat einen hohen aktuellen Bezug. In diesem Zuge nahm das Christentum trotz Epikur an Bedeutung zu und bot Hilfe, wie in Joh 16,23: In der Welt habt ihr Angst, aber seid froh, ich habe die Angst überwunden." Dieses hätte die Botschaft Epikurs sein können, der mit seiner Philosophie den Mut und die Eigenständigkeit in die Gesinnung der Menschen brachte, die wir heute ebenso gern sehen würden.
gegen das schäbige handwerk der religionen
Lesen
das schäbige handwerk der religionen, dass sie mit infiltrierter götterfurcht verhexte menschen erzeugen: dieses marionettenwerk wollte ein epikur durchschneiden. bis in die heutigen tage (im himmel bekommst du sieben frauen zur belohnung) wissen fundamentalistisch-religiöse verhetzungsnetze aberwitzige terroristen zu produzieren, die das betreten des lebens nach dem tode kaum abwarten können. der kampf der konfessionen hat sich 2.300 jahre nach epikur - unbeeinflusst von den erkenntnissen der griechischen philosophie - hochgeschaukelt. man könnte an der aufklärungsfähigkeit von philosophie überhaupt zweifeln, sähe man nicht teilströmungen der gesellschaften durchaus epikuräisches gedankengut aufgreifen. epikur suchte nämlich nicht nur die furcht vor göttern zu entkräften, sondern riet auch zur distanz zum politischen leben, das korrumpieren könne. stattdessen seien kleine freundeszirkel seelisch gesündere kontaktformen als das ringen um politische posen und hohle parolen. selbst was epikur immer vorgeworfen wird, die hinneigung zu erotischen genüssen, war ihm zumindest als gefahr im denken völlig bewußt: er predigte als ziel, sich eben gerade nicht in masochistische erbärmlichkeiten hineintreiben zu lassen durch abhängigkeiten von süchten. nicht sucht war das ziel, sondern gelassenheit und zufriedenheit. die erreicht man nicht im hemmungslosen ausleben von begierden - allerdings auch nicht in nonnenhafter lebenslanger apathisch selbstverabreichter körperfeindlichkeit. eine würdige, angemessene gratwanderung des annehmlichkeiten und gefühle klug abschätzenden verhaltens war epikurs zielrichtung - und insofern ist er immer noch hoch-aktuell und viel zu wenig wirklich bekannt...

Kommentare
Bis jetzt noch keine Kommentare.
Kommentieren
Nur angemeldete Benutzer können Kommentare schreiben. Jetzt kostenlos anmelden!