Das Buch
Informationen
Erstellt von: Andreas am 10. März 2006, 20:43 Uhr.
Bearbeiten darf: Jeder Pro-Benutzer.
Wie lernen? Regelmäßig wiederholen.
Wird zur Zeit gelernt von: Hans Suter, Yvonne Schubert, Martin, Ciadre, tomsky und 46 weiteren Personen.
Bewertung: 
Autor: Gunter Dueck
ISBN: 3540009019
Erschienen: 2003
Ausgabe: Gebundene Ausgabe
Verlag: Springer, Berlin
Seiten: 350
Preis: Ab EUR 34,95 bei Amazon (am 19. Februar 2007, 04:26 Uhr)
Rezensionen
Supramanie? Öffnet Augen!
Lesen
Einmal mehr versteht es Dueck, den Nagel auf den Kopf der Zeit zu treffen! In Zeiten des Post-Internet-Booms scheint die Welt in der wir leben verrückt zu spielen. Sehenden Auges in die Katastrophe zu rennen läßt uns zunehmend gleichgültig, zumindest solange wir uns in der Sicherheit wiegen, daß es nur die anderen betrifft. Eindrucksvoll schildert Dueck jedoch die Konsequenzen für jeden einzelnen von uns, egal ob richtige, natürliche oder wahre Menschen: Im Strudel vielfältiger individueller Strategien verlieren wir uns selbst und tun alles, um uns das nicht eingestehen zu müssen. Lethargie und Resignation drohen Einzug zu halten, wenn wir uns der Situation doch gelegentlich bewußt werden.
Trotz dieser pessimistischen Einschätzung finden sich viele Verweise auf Ansatzpunkte, die Situation zu verbessern oder auch nur besser zu verstehen, wenn auch nicht unbedingt Hoffnung auf schnelle Besserung besteht. Aber Dueck wäre nicht Dueck, würde er uns nicht mit der Ankündigung eines dritten Bandes -Topothesie - zu trösten wissen.
Interessant macht das Buch außerdem, daß es immer wieder Abstecher zu verwandten Themenkomplexen macht, sei es das menschliche Miteinander (oder auch Gegeneinander: man beginnt zu begreifen, was die anderen eigentlich wollen und warum das etwas anderes ist als man selber will) , oder Verweise auf die Mem-Theorie sowie unser Verhältnis zu Wissen und der immer schneller steigenden Informationsflut.
Dieses Buch ist nicht kultverdächtig, es IST Kult!
Ein Licht...
Lesen
Hier schreibt eine wahrhaft führende Persönlichkeit, ein liebender Denker, über uns alle und über unsere verfehlte Gestaltung der wirtschaftlichen, sozialen und persönlichen Welt. Einfühlender als Kierkegaard und prägnanter als Al Gore zeigt Gunter Dueck auf, dass wir mißverstanden haben, wer wir sind. Und dass dieses Mißverhältnis zu uns selbst, zum Höheren und zur Welt letztendlich nur in Verzweiflung - im "Schrei" von Edvard Munch - enden kann.
"Supramanie" ist ganz offenbar das Resultat einer einzigartigen Mischung von Realitätssinn und Sensibilität, von geistiger Klarheit und emotionaler Anteilnahme.
Dueck's Buch ist wie ein Licht am Ende des Tunnels: richtungsweisend, tröstlich und -- ja: rettend. Bei allem Dunklen, Schweren und Erbitternden, das er nüchtern darlegt, läßt Gunter Dueck nämlich keinen Zweifel daran, dass es Auswege gibt, und dass es sich lohnt, alle intellektuellen und seelischen Kräfte noch einmal neu, und diesmal näher am Sinn des GANZEN, auszurichten.
Mit großer Dankbarkeit und Vorfreude erwarte ich den letzten Band der Trilogie: Das Buch "Topothesie"
Das Pendel des Todes und seine Systematik
Lesen
Dies soll nur ein Versuch einer Skizze sein, was Supramanie" beim Lesen für Eindrücke hinterlies. Der Sinns des Lebens made by Dueck" ist jedoch ein langsam wachsendes Pflänzchen, so dass ich nicht sagen kann, wie dieses morgen oder gar in 10 Jahren aussehen wird. Was ich nur schon ganz sicher weiß ist, es lohnt sich diese Pflanze in sich wachsen zu lassen!
Nun mehr vom Samenkorn:
Kennen Sie das Pendel" von E.A. Poe? Ich habe es vor ungefähr 18 Jahren gelesen. Dennoch war mir beim Lesen von Supramanie" dieses Bild im Kopf.
Bei Poe's Erzählung wird ein Mensch auf eine Art Tisch gefesselt, soweit ich mich richtig erinnere. Über ihm ein riesiges, rasiermesserscharfes Pendel, das quälend langsam sich herabsenkt mit jeder Pendelbewegung tiefer, bis es das gefesselte Opfer töten wird. Ganz langsam.
In den heutigen Systemen ist es ähnlich. Über uns das todbringende Pendel in Form des impliziten Vorwurfs: Du bist unwert", das messerscharf über unseren Herzen hin und her schwingt. Gefesselt durch das, in der Kindheit implantierte Minderwertigkeitsgefühl.
Es geht in Supramanie" wohl hauptsächlich darum, wie die Furcht vor diesem Pendel systematisch!! eingesetzt wird um Höchstleistung zu erzwingen.
Auf Kosten unserer Lebenswerte auf der Dueck-Pyramide! Unserer Lebensenergie.
Erreicht wird dadurch aber meist nur das Vorgeben von Leistung! Punktekrieg!
Oder hat ein Folterkeller der heiligen Inquisition" jemals einen Christen hervorgebracht??
Gunter Dueck beginnt künstlerisch Ausdrucksstark mit der Beleuchtung der Mechanik der Suprasysteme. Wunderschön und scharfsinnig wird das Innerste dargestellt. Des Pudels Kern wird aber immer mehr zum eigenen, da wir ja die Suprawerte implantiert bekamen. Und im Laufe des Beschreibens der Topimierungsformen (wie schon in Wild Duck" doch diesmal noch punktgenauer) wird der Finger so gnadenlos in unsere empfindlichsten Wunden gelegt, dass ich mich schutzlos und Selbstbild-zerzaust wiederfand.
Es geht ja dabei um nichts geringeres, als unsere Lebenslügen mit denen wir versuchen Punkte zu ergaunern von unseren Chefs, unseren Familien, von Gott?! Um von dem Pendel noch ein paar Minuten verschont zu bleiben. Da werden Sie vielleicht sogar ein wenig böse, weil es so weh tut.
Das liegt in der Sache.
Doch wenn Sie dennoch weiter lesen (was Sie unbedingt tun sollten), dann wird der reißende Fluss wieder ruhiger. Und Sie können sich gemeinsam mit dem Autor die Frage stellen, ob Sie dort bleiben wollen, so gefesselt unter dem Diktat des Höherwertigkeitswahns. Auch ein paar Gedanken über einen Ausweg werden angestellt. Eine Lösung ist noch nicht wirklich in Sicht. Aber wir könnten uns auf den Weg machen...
Und so klingt Supramanie aus.
Ein Buch, das mich geschmedig wie ein Monolog des Mephisto in Faust" fesselte und mich hineinzog in das hoffnungslose Dunkel, das Erinnerungen an meinen Besuch des Kinofilms Herr der Ringe2" wach rief. Mich schließlich entlassen hat, irgendwie angerührt, als hätte ich die Callas die Violetta in La Traviata" singen gehört.
Nun genieße ich das Wachsen des Pflänzchens in mir, das meine Seele formt und bereichert.
Dieses Buch tut weh
Lesen
"Supramanie" zu lesen macht keinen Spaß. Zumindest nicht wirklich. Wenn überhaupt die grimmige Art von Spaß, die man empfinden kann, wenn endlich ein übler Skandal an Licht gebracht wird, unter dem man zu leiden hatte.
Aber zumindest ist "Supramanie" sehr erhellend, sofern man das über ein so dunkles Thema sagen kann.
Gnadenlos unpolemisch nimmt Dueck das weithin herrschende System westlicher Leistungsgesellschaften auseinander, für das er den Begriff Supramanie prägt. Dies tut er sehr systematisch, logisch und mit skalpellscharfer Beobachtungsgabe. Sein einzigartiger Schreibstil, der sonst immer für ein spontanes Gelächter gut ist, muß hier stellenweise vor dem Gegenstand des Wortwitzes kapitulieren. Wie schon ein anderer Rezensent schrieb: Das Lachen bleibt einem öfter mal im Halse stecken.
Dueck geht in Supramanie nicht gegen das Leistungsprinzip an sich vor, sondern gegen verschiedene, sich logisch auseinander ergebende Eigenschaften und Effekte der Supramanie:
Die immer ein wenig zu hoch gehängte "Möhre" (das Leistungsziel) - jeder springt ständig so hoch er nur kann, bis er dreivierteltot zusammenbricht.
Die rekursive Einteilung der Menschen in die Leistungsträger, die Abstiegsgefährdeten und die zu feuernden Versager.
Der Meßwahn - Leistung wird lediglich anhand von einfach zu ermittelnden Leistungsindikatoren (z.B. Umsatz, Verkaufsabschlüsse, Veröffentlichungen, Börsenkurs) gemessen anstatt durch Betrachten des "Eigentlichen".
Die von Dueck "Topimierung" genannte Strategie der dem Suprasystem ausgesetzten Menschen, die Ihnen entgegengebrachte Wertschätzung durch systematisches "Schönen", durch rücksichtslose Optimierung der Leistungsindikatoren und im Zweifel durch nackten Darstellungsbetrug zu erhöhen.
Der Verrat an den Bedürfnissen der Menschen und damit an ihrem Glück, an ihrer Loyalität und letztlich an der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit.
Während man sich bei der Beschreibung des Systems noch relativ leicht als Opfer oder zumindest unschuldigen Mitläufer betrachten kann, wird spätestens beim Kapitel über die Topimierung klar, dass die meisten von uns auch Täter sind. Ich jedenfalls mußte ein paarmal heftig schlucken, als ich mich bei einigen von Dueck dargestellten Topimierungsstrategien milde wiedererkannt habe. Aber wie heißt es so schön? "Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung." Und Anregungen zur Selbsterkenntnis für Menschen von "ganz unten" bis "ganz oben" in den Unternehmens- und Gesellschaftshierarchien bietet "Supramanie" en masse.
Dueck bleibt in dem Buch die Antwort auf die Frage, wie das System denn besser funktionieren könnte, erklärtermaßen schuldig, denn diese Antwort will er erst in seinem nächsten Werk geben. Darauf bin ich nun mörderisch gespannt, denn wenn die Skizze eines nachhaltig funktionierenden Systems schon schwierig ist, erscheint mir das Skizzieren des Übergangs vom heutigen, durch Konkurrenzdruck Selbstähnlichkeit geradezu erzwingenden System zu einem wie auch immer gearteten idealen System nahezu unmöglich.
Lassen wir uns überraschen.
Suprasophisches vom Supradenker
Lesen
Dies ist Band 2 von Duecks Trilogie "Omnisophie-Supramanie-Topothesie". In Teil 1 stellt er primär drei menschliche Grundtypen vor, in diesem 2.Teil Pseudooptimierungen in (Supra-) Systemen und wie sich die drei Grundtypen dabei verhalten. Der letzte Band ist eine Art Utopie einer optimalen Welt, die jedem Typ maximale Entfaltungsmöglichkeiten bieten soll. Die Bände bauen aufeinander auf, man sollte sie in der richtigen Reihenfolge lesen (muss aber nicht).
Der Mathematik-Professor und Neuzeit-Philosoph kreiert auch in diesem Band wieder ein solches Gedankenuniversum, dass es schwer ist, sich kurz zu fassen. In "Supramanie", von "Super = höherwertig" und "Manie = krankhafter Trieb" analysiert er kurz gesagt das geradezu krankhafte Streben der Wirtschaft und auch unseres Alltags nach immer Höherem. Dueck beschreibt den Trendwechsel vom klassischen System, wo bis etwa 1990 die Fehlervermeidung des loyalen 'Pflichtmenschen' genügte, zu den heutigen Suprasystemen, bei denen zusätzlich ein absolutes Maximum an Arbeitsleistung gefordert wird. Die Menschen werden geradezu abgerichtet zum Streben nach Punkten, Status und Incentives (und damit zum 'Score-Man'). Ein solches Verhalten gilt allgemein als vernünftig, Dueck sieht darin jedoch eher Triebdenken - insbesondere den ewigen Kampf gegen das eigene Minderwertigkeitsgefühl. Das wesentliche Problem dabei ist, dass sich "das Höhere" nicht ganzheitlich messen lässt, sondern nur indirekt anhand bestimmter Indikatoren, die jedoch nur Teilaspekte abdecken. In der Folge haben wir eine Gesellschaft, die einseitig Gewinne und Details maximiert, aber viele andere Dinge wie das Menschliche oder die Umwelt immer weiter verfallen lässt. Dieses Prinzip bestimmt auch den Alltag, z.B. bei der Kindererziehung. Es kommt letztlich überall zu Teil-Optimierungen in kleinen Bereichen, die stolz präsentiert werden, der Blick für das Ganze ist jedoch bei der ganzen Hektik längst verloren gegangen. Dueck verdeutlicht mit vielen Beispielen die Funktionsweise und die Absurdität dieses Prinzips.
Es geht auch um viele andere Dinge, die leider nicht in diese Rezension hineinpassen, da wird einfach mal die Maslowsche Bedürfnispyramide umgedreht oder von Stresskurven und Topimierungs- (=Schein-Optimierungs-) Strategien erzählt. Management, Psychologie und Philosophie werden hier auf geniale Weise miteinander verknüpft. Wenn Sie an einem höheren Verständnis unserer Welt interessiert sind, kommen Sie letztlich nicht darum herum, dieses Buch zu lesen - und zwar langsam und genüsslich.

Kommentare
Kommentieren
Nur angemeldete Benutzer können Kommentare schreiben. Jetzt kostenlos anmelden!